
Im Allgemeinen wird angenommen, dass Kinder kriegen das Natürlichste und die leichteste Sache der Welt ist. Doch ein Kind zu zeugen, ist mehr als ein biologischer Akt.
Die Seele des Kindes kommt nicht auf Bestellung.
Zu allen Zeiten war der Kindersegen unter den Frauen ungleich verteilt. Wir können das heute vielleicht am deutlichsten in den Ländern der Dritten Welt sehen, wo mangels Verhütung weiterhin viele Kinder geboren werden. Viele Frauen haben viele Geburten und einige haben wenige oder gar keine.
Unsere eigenen Geschichtsbücher geben ebenfalls genügend Hinweise darauf, dass es nicht unbedingt selbstverständlich war, mit Nachwuchs gesegnet zu werden. Es ist daher wahrscheinlich ein Irrtum, wenn wir eine ausgeprägte Gebärfreudigkeit als natürlichen Urzustand der Frau ansehen. Wir können fast sagen, je unbewusster mit Geschlechtlichkeit umgegangen wird, desto leichter geschieht die Befruchtung. Oder umgekehrt: je mehr Aufmerksamkeit, Bedeutung und mentale Kraft wir in das Thema geben, desto weniger geschieht.
Zusätzlich können wir beobachten, dass eine hohe Geburtenrate, wie sie auch in unserem Erdteil vor der hormonellen Verhütung üblich war, mit einer hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit einhergeht.
Es scheint beinah, als hielten sich Geburten und Tode an eine unsichtbare Gesetzmäßigkeit des Ausgleichs.
So wurden zum Beispiel nach dem zweiten Weltkrieg bemerkenswert mehr Jungen als Mädchen geboren. Und in seinem Buch "Das Buch von San Michele" beschreibt Dr. Axel Munthe die zunehmende Lust der Überlebenden während einer Choleraepidemie in Italien, als 'wolle eine unsichtbare Kraft angesichts der vielen Tode für neues Leben sorgen'.
Auch wenn es keinen Kausalzusammenhang dafür gibt, hat sich in der gesamten ersten Welt mit den verbesserten Hygienemaßnahmen und einer bedeutend geringeren Säuglingssterblichkeit auch die Geburtenrate verringert.
Naturkräfte und Gesetzmäßigkeiten beeinflussen uns. Wir können sie betrachten, wie das Milieu in dem wir leben. Es ist wichtig, sie zu verstehen, um das eigene Handeln Ziel führend zum Einsatz zu bringen. Denn mit unserem Verstehen, Denken und Handeln gestalten wir unser DaSein.
Der unerfüllte Kinderwunsch nimmt in unserer Zeit stetig zu.
Ganz allgemein betrachtet spiegelt er unser Leben in der modernen Gesellschaft wider, welches wenig Platz für weibliche Themen und Bedürfnisse lässt. Unser Leben soll effizient, erfolgreich, unabhängig und planbar sein. Unsere Arbeitswelt fordert Flexibilität und hohen Einsatz von uns. Nähe, liebevoller Umgang und unverplante Zeit für gemeinsame Stunden treten in den Hintergrund.
So leben wir in einer stark vom männlichen Pol geprägten, und daher aktiven, leistungsorientierten und nach außen gerichteten Welt.
Nur Mutter sein, erscheint heute nicht mehr erstrebenswert. Das schwer erkämpfte Recht auf Bildung und Arbeitsplatz will wahrgenommen und gelebt werden. Viele Frauen haben heute einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst und wollen Karriere machen, ihren Mann(anteil) stehen und sich Anerkennung verdienen.
Als Frau bin ich dankbar für den Zugewinn an Freiheit und Unabhängigkeit, den die Schwangerschaftsverhütung uns gebracht hat. Doch machen wir uns bewusst, dass die Kehrseite der Schwangerschaftsverhütung die künstliche Befruchtung ist.
Der Gegenpol des 'gebären müssens' ist das 'nicht gebären können'.
Mit unserem Wunsch nach Einflussnahme haben wir Spielräume geschaffen, in denen neues Leben vermieden oder geschaffen werden soll - nach unserem Willen. Die Vorstellung, das Leben nach unserem Willen erschaffen zu können, ist alt. Und genau genommen erschaffen wir auch unser Leben. Wenn auch meist unbewusst und daher eher wenig Ziel gerichtet. Denn wie es der unerfüllte Kinderwunsch zeigt: das Wollen an sich bringt uns dem Ziel nicht näher. Eher im Gegenteil. Das Wollen ist ein Direktive und daher lineare Kraft. Sie ist spitz wie ein Pfeil und treibt von mir weg auf ein Zeil hin. Das Wollen entspricht dem männlichen Prinzip und fordert Auseinandersetzung und Eroberung. Was ich will, erkämpfe ich mir, erarbeite ich mir oder nehme es mir einfach.
Wollen hat Schubkraft, die da, wo Wünschen und Bitten angebrachter wären nur dazu führt, dass das Gewollte sich stetig von uns weg bewegt.
Wir leben in einer nach männlichen Prinzipien ausgerichteten Welt. Wenn mich also eine Patientin mit dem Wunsch, schwanger zu werden besucht, mache ich mich daran heraus zu finden, was der Erfüllung dieses Wunsches entgegensteht.
Als erstes muss geklärt werden, in welcher körperlichen Ausgangsposition sich die Frau befindet. Ich brauche also folgende Befunde:
müssen erfasst oder reguliert werden.
Um seelische Faktoren der bisherigen Kinderlosigkeit aufspüren zu können, müssen wir uns in tiefere, verborgene Welten begeben. Wir bewegen uns hier auf 'weichem' und empfindsamen Grund. Wir verlassen Beweisbarkeit und lineare Logik und übergeben uns ganz der Beobachtung, Empfindung und inneren Weisheit der Seelenbilder der Patientin.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass alle von mir angebotenen Bilder und Zusammenhänge Ursache sein können, jedes für sich aber keine Ursache sein muss, wenn die Kraft der Seele eine Empfängnis verneint. Für jedes Beispiel finden sich Ausnahmen. Jedes Beispiel wirft Fragen auf, die schwer zu beantworten sind. Antworten müssen in jedem Einzelfall mit Blick auf den Lebenshintergrund der Frau, des betreffenden Mannes, und oft auch mit Blick auf die Ahnenkette gefunden werden.
Entscheidend ist weniger, welche Umstände wir vorfinden. Wichtig ist, wie hoch ist der Stress, der Konflikt, die Abwehr die im Thema gebunden sind.
Im Behandlungsprozess rege ich meine Patientin an, darüber zu reflektieren wie sie ihre Weiblichkeit erlebt. Wie hat sie sich als Kind und in der Pubertät erlebt? Wie erlebt sie ihre Sexualität?
Frauen, die sich wenig liebenswert empfinden, fällt es oft schwer sich beim Liebesakt zu öffnen und loszulassen. Die weibliche Hingabefähigkeit muss durch die zärtlich erotische Leidenschaft des Mannes gesteigert werden. Die gemeinsame Lust des Paares ist eine starke Kraft, die bei einer Befruchtung Samen und Eizelle innewohnt und so ein Geschenk der Eltern an das Kind darstellt.
Frauen, die eigentlich ein Junge werden sollten, wie auch umgekehrt Männer, die als Mädchen gewünscht wurden, haben es allerdings häufig schwer, ihre biologische Sexualität anzunehmen und diese authentisch zu leben.
Es ist, als ob im Unterbewusstsein die Gewissheit, eine Enttäuschung zu sein weiter lebt, was die Lebenskraft und Liebesfähigkeit hemmt. Um Eltern zu werden muss ER in diesem Fall erst einmal ganz Junge bzw. Mann und SIE ganz Mädchen, bzw. Frau werden. Ist das nicht der Fall, erleben Frauen und Männer oft Angst vor den Veränderungen die die Elternschaft mit sich bringt.
Mangelndes Vertrauen in sich selbst oder die Beziehung zum Partner kann das Gefühl der Überforderung wachrufen. Frauen brauchen und wollen meist Sicherheit für sich und ihr Baby. Einen Partner, der zur Verfügung steht und sie kraftvoll stützt. Männer wollen häufig Nachwuchs, doch fürchten sich zugleich vor der zunehmenden Verantwortung und den höheren Kosten bei heute oft unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Nicht selten bremsen auch unbewusste Ängste z. B. vor den Veränderungen der Partnerin - körperlich wie seelisch - und den damit zusammenhängenden Veränderungen des Liebeslebens und der eigenen Position in der Partnerschaft bzw. der Familie.
Ein zusätzlicher Aspekt liegt in der Beziehungsgestaltung verborgen. In manchen Partnerchaften ist ein Partner fürsorglich-nährend und der andere Partner hat die kindlich-abhängige Rolle. Ist diese Konstellation fixiert und es besteht kein Rollentausch und kaum Phasen, in denen beide Teile erwachsen sind, ist die Position des Kindes bereits besetzt. Die Geburt eines Babies würde nicht nur die Position des 'ersten Babies' gefährden. Sie würde auch offenbaren, dass wir uns auf dem unerwachsenen Partner nicht stützen können.
Nach meiner Beobachtung bleiben Kinder ebenfalls häufiger aus, wenn der eigene Lebensplan zu exakt ist. Das klingt seltsam und wir könnten denken 'es ist doch gut, wenn alles nach Plan läuft'. Erst die Ausbildung, dann Unabhängigkeit und beruflicher Erfolg, ein Heim schaffen und dann ... das ersehnte Kind - nur eben nicht zu früh. Die wenigsten Kinder lassen sich planen. Sie kommen lieber ungefragt und ungelegen. Sie scheinen eine Abneigung gegen Erwartungen zu haben. Gehen wir davon aus, dass die Seele unsterblich ist, muss die Seele des Kindes unabhängig von einer Befruchtung bereits existieren. In der Systemischen Arbeit, in der Hypnose und in Reinkarnationstherapien häufen sich die Hinweise, dass die Seele des Kindes an seiner Inkarnation beteiligt ist. Vielleicht reagiert sie auf die ausgesandte Einschränkung 'Ja - aber nicht jetzt' und 'jetzt sind die Bedingungen erfüllt - komm!'
Oder aber das Kind soll einem Zweck dienen. Die Arbeit ist nicht mehr erfüllend oder schlimmer, wir können den Arbeitsplatz kaum mehr ertragen. Die Beziehung beginnt, sich leer anzufühlen, der Lebenssinn steht in Frage. Der/die Partner/In will unbedingt ein Kind, man selbst nicht. Das Kind soll Sicherheit und Abhängigkeit in die Beziehung bringen - der Partner soll gehalten werden. Oder die eigenen Unabhängigkeitswünsche sind so stark ausgeprägt, dass ein Kind als Bedrohung erlebt wird. Der Partner passt - aber nicht als Alter. Zweifel und Einschränkungen beschäftigen den Menschen und sorgen für allerlei Anspannung und Abwehr. Es wird gegrübelt, gestritten, gedacht oder vermieden, verborgen, verdrängt. Alles passiert im Kopf und wird zunehmend unklar und verworren.
Im Kopf und mit dem Kopf werden keine Kinder geboren. Ist ein solcher Mechanismus im Gange, lohnt es sich in die eigene Zeit im Mutterbauch zurück zu blicken. Wenn wir Erinnerungen und Gefühle zulassen, weden unsere eigenen Zweifel und Blockaden manchmal verständlich. Wenn ich selbst ungewünscht kam (was häufig der Fall ist) und damit einen Konflikt verursacht habe, der in meiner Mutter Angst und Sorge, vielleicht Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Ablehnung verursacht hat, dann ist diese Erninnerung in mir gespeichert. Auch wenn dieser Zustand zeitlich begrenzt war und hoffentlich keinen Abtreibungsversuch zur Folge hatte. Das Ungeborene spürt, wie die Mutter sich fühlt. Und es nimmt wahr, dass es (seine Existenz) eine Bedrohung für die Mutter darstellt.
Denkt eine Mutter - aus welchen Gründen auch immer - an Abtreibung, spürt das Ungeborene die Bedrohung seines Lebens. Wir können mit dieser Erfahrung geboren werden, aufwachsen und leben. Die meisten von uns erhalten ausreichend Liebe und Fürsorge, um als 'Normal-Neurotiker' erfolgreich und einigermaßen zufrieden zu leben. Doch die Seele vergisst nie. Und sollten wir einen ungelösten Konflikt in uns tragen, hat unsere Seele vielleicht entschieden, den Konflikt um jeden Preis zu meiden.
Die gespeicherte Erinnerung an die eigene Zeit im Mutterleib kann so dazu führen, dass ein Mensch sich bewusst oder unbewusst gegen Kinder entscheidet.
Wir meiden Konflikte unter anderem, indem wir ganze Themen aus unserem Leben verbannen, Erfahrungsbereiche umgehen und häuftg zufrieden stellende Rationalisierungen finden, um für uns selbst Sinn zu ergeben. Auf diese Weise werden auch schwere Traumatisierungen wie sexueller Missbrauch und Gewalterfahrungen aller Art abgewehrt. Wenn weiblich sein eine Gefahr beinhaltet und mit Demütigung, Scham, Leid und Abwertung verbunden ist, kann jeder Ausdruck von Weiblichkeit mit Störungen reagieren. Solche Frauen haben häufig auch ein hormonelles Ungleichgewicht und reagieren auf Hormonbehandlungen schlecht bis gar nicht.
Doch auch weniger schlimme, wiederholte Traumatisierung hat Folgen. Ich habe eine Patientin in meiner Praxis erlebt, deren Mutter niemals ein Kind wollte und eben doch eines gebar. Die Botschaft allerdings, dass es nicht gut sei ein Kind zu bekommen, hatte diese Frau verinnerlicht - und befolgt.
Eine andere Patientin folgte einem alten Familienmuster. Die Frauen in ihrer Ahnenkette erlebten wiederholt Kindstod und Abtreibungen. Die Patientin reagierte mit wiederholten Fehlgeburten.
Ein anderes Mal war die eigene Beziehung zur Mutter der Hauptaspekt der Schwierigkeiten. Die Ablehnung der eigenen Mutter, Angst davor so zu werden, wie diese von der Patientin erlebt wurde, wirkte stark.
Die Möglichkeiten und Muster sind vielfältig.
Und auch nach Abklärung all dieser Fragen und Themen und nach bestmöglicher Behandlung kann es sein, dass sich keine Schwangerschaft einstellen will. Bei allen Bemühungen, den Weg für das Kind zu bereiten, tun wir gut daran uns bewusst zu machen, dass die Empfängnis eines Kindes ein Geschenk ist. Ich möchte sogar so weit gehen, dass die Seele des Ungeborenen gleichermaßen mitentscheidet, ob, wann und bei welchen Eltern es geboren wird.
Daher halte ich es bei allem Wollen für angebracht, Demut zu üben. Ganz gleich welchem Glauben wir folgen. Es ist die Urkraft des Weiblichen, die in uns Frauen lebt. Die Rückverbindung zu dieser Urkraft kann uns Quelle und Weg sein.
Finden wir zu unseren Wurzeln und zu unseren eigenen Rhythmen zurück, können wir Mutterschaft neu erkennen und entdecken.
Denn Mutterschaft bedeutet auch Schöpferkraft. Etwas Neues ins Leben zu bringen, es zu pflegen und zu hegen, zu nähren und zu schützen, dass es stark wird und die Welt bereichert.
So kann der Weg der kinderlosen Frauen auch jener sein, die Welt reicher zu machen mit ihren kreativen geistigen Kindern. Jenen Teil in die Welt zu bringen, der nur aus ihrer ureigenen tiefen Schöpferkraft hervorgehen kann.